Klartext

Nürnberger Polizeimärchen führt zur Eskalation beim Auswärtsspiel

 

Nun ist es also amtlich: Der DFB verurteilte Eintracht Frankfurt zu einer Geldstrafe von 100.000,-- Euro wegen den Vorfällen der Eintracht bei ihrem Gastspiel in Leverkusen am 19. Januar 2013. Eigentlich kein Grund für die RSH, hierzu Stellung zu nehmen, wenn da nicht das Nürnberger Gastspiel am 09.02.2013 in Frankfurt gewesen wäre. Aber alles der Reihe nach:

Der DFB verpasste dem Spiel Frankfurt-Nürnberg den Status eines Hochsicherheitsspiels. Nichts Ungewöhnliches, wenn sich nicht zu diesem Spiel die Vertreter des DFB als Beobachter angemeldet hätten. Das versetzte die Verantwortlichen der Eintracht in eine gewisse Panikstimmung und man entschied lange vor diesem Spiel, nunmehr alle Register zu ziehen, damit nur ja an diesem besagten Spieltag die Beobachter des DFB keine negativen Erfahrung mitnehmen und damit für das ausstehende DFB-Gerichtsverfahren alles getan sei. Mit welch fragwürdigen Mitteln aber alles getan wurde, wollen wir hier dokumentieren:

Die Basis hierfür legte offenbar die Polizeiinspektion Süd! 200 Kilogramm (!!!) Pyrotechnik hätte sich die Nürnberger Ultraszene im nahen osteuropäischen Ausland besorgt und diese Menge solle beim Spiel in Frankfurt auch gezündet werden. Das Gerücht machte schnell die Runde. Damit war der Weg frei für die Verantwortlichen der Eintracht.

Dankbar ergriff Eintracht Frankfurt die bisher durch keinerlei Fakten belegte Information der Nürnberger SKBs am Schopfe, belegte die Nürnberger Fanszene mit einem Materialverbot und kündigte Intensivkontrollen an. Eingefädelt von der Polizei, konnte man als Zugabe damit rechnen, dass die Nürnberger Fanszene ein Verbot nicht akzeptieren würde und aus der daraus resultierenden Protestbewegung einiges an Anzeigen herausholen.

Der Spieltag selbst stand von Anfang an aus Fansicht unter einem schlechten Stern. Die Anfahrt der Ultras erfolgte mit dem Zug in Begleitung zahlreicher Beamter der Bundespolizei. Empfangen wurde man in Frankfurt am Bahnhof von diesen Polizisten: 

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Am Stadioneingang versuchten die Ultras vergeblich, den Verantwortlichen der Eintracht in einem persönlichen Gespräch zu überzeugen, die Fahnen zu erlauben. Daraus wurde, wie hinlänglich bekannt ist, nichts, da sich der Sicherheitsbeauftragte von Frankfurt hinter dem Argument versteckte, dass die Polizei Nürnberg geraten habe, das Zaunfahnenverbot durchzusetzen, so dass sich die Gruppe entschied, das Stadiongelände aus Protest nicht zu betreten. Mehrere hundert Fans, die sich bereits im Stadion befanden, solidarisierten sich mit den draußen Wartenden und verließen das Stadion. Was jetzt folgte, war ein Polizeieinsatz, den selbst die Polizei später als "nicht so glücklich verlaufen" bezeichnete. Im Ergebnis platzierte man für die wartenden Medien eine übertriebene Pressemitteilung, die darin gipfelte, dass man behauptete, Fans hätten Pfefferspray gegen Polizisten eingesetzt und dies habe zu einer hohen Zahl an verletzten Beamten geführt. Richtig wäre gewesen, dass einige Polizeibeamte beim unkontrollierten Einsatz von Reizgas ihre eigenen Kollegen verletzten:

Im Nachgang zum Spiel musste der Medienlandschaft in wahrheitswidriger Art und Weise erklärt werden, was denn abgelaufen sei. Hierzu zwei Statements von Leuten, die zwar keine Ahnung haben, die aber die Plattform entweder zur Selbstdarstellung nutzten oder um von ihren Fehlern abzulenken:

 

Interviewzitat von sport1, Axel Hellmann (Vorstand Eintracht Franfurt):

„Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass wir gesicherte Informationen hatten im Vorfeld, dass Nürnberger Fans sich doch massiv mit Pyrotechnik eingedeckt haben. Und was wäre die Alternative gewesen? Dass wir alles gemacht hätten wie bisher? Es wäre umfangreich gezündelt worden. Dann wären wir in der Kritik gewesen, trotz deutlicher Hinweise der Nürnberger Polizei hier tätig zu werden, nichts zu machen. Da glaub ich, wären wir fahrlässig gewesen.“

 

Interviewzitat von sport1, Gunter A. Pilz (Fanforscher):

„Es ist bekannt geworden, dass sie mehrere Kilo Pyrotechnik und Rauchpulver geordert haben und mitnehmen wollten, und es wurde ihnen gesagt, wenn sie zusagen, dass sie nicht zündeln werden, dann können sie Banner und die Fahnen mitnehmen. Das haben sie nicht gemacht. Damit wurde ihnen signalisiert, ihr kommt mit Bannern und Fahnen nicht rein, weil die eben genützt werden, um dann versteckt quasi diese Dinge zu zünden. Die Nürnberger haben sich darum nicht geschert, sind mit den Sachen zum Stadion gekommen und waren dann frustriert, dass sie nichts mit reinnehmen konnten.“

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Aktivitäten der Rot-Schwarzen Hilfe seitdem:

1. Eintracht Frankfurt wurde mehrfach angeschrieben, jedoch warteten wir vergeblich auf Antwort.

Die von uns gestellten Fragen lauteten: Warum und mit welcher Begründung wurde die Nürnberger Fanszene mit diesem Verbot belegt? Warum hat man sich trotz des Dialogs nicht dazu entschlossen, das Verbot aufzuheben? Warum wurde das Verbot erst zwei Tage vor dem Spiel bekannt gegeben?
Von wem kam die Anweisung, das Verbot bestehen zu lassen? Warum waren normale Fahnen erlaubt, Zaunfahnen jedoch verboten? In wieweit behindert eine Zaunfahne die Aufnahmen der Sicherheitskameras?

 

2. Der PI Nbg.-Süd wurden zu ihrem 200-kg-Gerücht schriftlich einige Fragen gestellt: 

Woher stammte die ursprüngliche Information, dass die Nürnberger Fans sich umfangreich mit Pyrotechnik eingedeckt haben bzw. dies vorhatten? Ist es richtig, dass der Hinweis an Eintracht Frankfurt und den 1. FC Nürnberg, dass Nürnberger Fans sich umfangreich mit Pyrotechnik eingedeckt hätten und diese [nach Frankfurt] mitnehmen wollten, von der Polizei Nürnberg kam? Ist es ferner richtig, dass die Nürnberger Polizei Eintracht Frankfurt bereits vor dem Spieltag mitgeteilt hat, dass sich der Verdacht hinsichtlich Pyrotechnik nicht erhärtet hätte?
Hierzu gab es keine offizielle schriftliche Äußerung, lediglich den Hinweis, man könne beim Fanbeauftragten des 1. FCN nachfragen.

 

3. Umfangreiche Recherche bei den Medien, woher die Behauptung kam, dass Fans Pfefferspray gegen Polizisten eingesetzt haben.

Die Sportredaktion der Offenbach-Post antwortete, man habe auf einen Artikel der Deutschen Presse-Agentur (dpa) zurückgegriffen und sich auf die Richtigkeit der Angaben der Agentur verlassen. In diesem Artikel sei diese Formulierung so gewählt worden.
Von der Online-Redaktion des Hessischen Rundfunks erhielten wir die Antwort, man habe bei der Pressestelle der Frankfurter Polizei angerufen und mit dem Diensthabenden Sprecher telefoniert. Eben weil es in der Pressemitteilung der Polizei keine Angaben zur Art der Verletzungen von Polizisten gegeben habe, habe man noch einmal nachgefragt und daraufhin die fragliche Antwort erhalten.

 

4. Brief an die Polizei Frankfurt, wegen der falschen Pressemeldung.

Hier unsere Fragen:
Welche Erkenntnisse bzw. Beweise liegen der Polizei vor, dass Fans Pfefferspray mitgeführt hätten und dieses gegen Beamte verwendet hätten? - Antwort: Es müsse erwähnt werden, dass bei Kontrollen Messer, Wurfgeschosse und eben auch Reizspray sichergestellt worden sei. Leider sei der Statistik nicht zu entnehmen, wie viele der sichergestellten Gegenstände den jeweiligen Fangruppen zuzuordnen seien.

Wie viele Beamte wurden durch Pfefferspray verletzt? - Antwort: Verletzt worden seien insgesamt 19 Polizeibeamte und zwei Ordnungskräfte. Von Verletzungen durch Pfefferspray, welches durch Club-Fans benutzt worden wäre, sei von Seiten der Polizei keine Rede gewesen. Die Verletzungen würden von einer Auseinandersetzung stammen, die sich zugetragen habe, als der Stadionzaun an mehreren Stellen herausgerissen und die Polizeibeamten und der Ordnungsdienst damit angegriffen worden seien. Das Pfefferspray sei daraufhin durch die Polizei verwendet worden.
Die ursprüngliche Pressemitteilung wurde inzwischen durch eine annähernd gleiche ersetzt, in der allerdings die Mitteilung fehlt, dass Polizisten von Fans durch Pfefferspray verletzt wurden.

Diesen Umstand kann sich die Rot-Schwarze Hilfe nicht erklären. Wir bitten diesbezüglich um Aufklärung. - Antwort: Zu keinem Zeitpunkt sei die polizeiliche Pressemeldung geändert worden oder eine zweite irgendwie anderslautende Meldung veröffentlicht worden. Auch sei in der Meldung nirgendwo die Rede davon, dass Fans die Polizisten durch Pfefferspray verletzt hätten. Was sich später in der Berichterstattung durch die Medien entwickelt habe, entziehe sich jedoch der Einflussnahme durch die Polizei.

 

5. Erstellen einer Dienstaufsichtsbeschwerde, die jedoch momentan nicht von der Behörde bearbeitet werden kann.

 

Fazit + Erkenntnisse:

Die falschen Tatsachenbehauptungen in einer Pressemitteilung stellen keinen Straftatbestand dar, genauso wie das Verbreiten falscher Informationen durch SKBs.

Politiker und Vereinsverantwortliche machen weiterhin auf dem Rücken von jugendlichen Fußballfans Wahlkampf.

Die Polizei kann ihre hohen materiellen Aufwendungen nicht mehr rechtfertigen, ohne dass aktiv mit zur Eskalation beigetragen wird, um beispielsweise ZIS-Statistiken zu verfälschen.

Etliche Ermittlungsverfahren sind schon eingeleitet und Eintracht Frankfurt schreibt zudem fleißig auf Anraten der Polizei lange bundesweite Stadionverbote aus.

Die Fankultur hat eine herbe Niederlage erlitten, der Kommerz und seine Helfer sind weiter auf dem Vormarsch, ein Aufhalten der Maschinerie ist kaum möglich.

Das Sicherheitskonzept vom 12. Dezember 2012, hat der Polizei sämtliche Tore weit aufstossen lassen. Die Vereinsvertreter die es unterschrieben haben, sind die Sargnägel der Fußballfankultur in ihrer jetztigen Form.