Saison 2014/2015. Heimspiel des Glubb gegen St. Pauli. Ein paar Gäste aus Wien statten Nürnberg einen Besuch ab, um das Spiel zu sehen.

Als Gäste werden sie sich später nicht mehr fühlen. Später, wenn einige von ihnen aufgrund bagatellhafter Vorwürfe nach Stunden im Polizeigewahrsam endlich wieder ihrer Wege gehen dürfen.

Stunden, nachdem sie im Stile eines Anti-Terror-Einsatzes mit ihren wenigen Neunsitzern in der Valznerweiherstraße zwischen Ben-Gurion-Ring und Waldluststraße in einem komplett gesperrten Straßenabschnitt vor gaffenden Anwohnern von insgesamt  mehr als zwanzig Einsatzfahrzeugen kontrolliert worden sind. In denen ein Pizzalieferant staunend vor einem Flatterband steht und nicht weiß, was er mit seinem Karton anfangen soll. In denen Passanten sich fragen, ob eine Terrorzelle in Nürnberg ausgehoben wurde.

Was aber löst einen derart gigantischen Einsatz aus? Eine völlig neue Dimension der überzogenen polizeilichen Fußballsachbehandlung?

Die Antwort vorweg: Ein T-Shirt hat den Einsatz begründet. Ein T-Shirt, das „Wiener“ einem St. Pauli-Fan entwendet haben soll. Ein Raub also. Begangen von einem Wiener, was erst einmal alle Wiener in Nürnberg tatverdächtig macht.

Um es kurz zu machen: Die stundenlange Straßensperrung führt gerade nicht zur Aufklärung des angeblichen Raubdeliktes. Das T-Shirt wird zumindest bei diesen Wienern nicht aufgefunden. Vielmehr muss man sich mit ein paar wenigen Zufallstreffern begnügen, was strafbares Verhalten angeht. Sechs Ermittlungsverfahren werden eingeleitet, wegen Trunkenheit im Verkehr, wegen geringfügigen Mengen verbotener Substanzen. Das war's. Von den sechs Verfahren endet die überwiegende Zahl durch Einstellung, der Rest im Bagatellgeldstrafenbereich.

Bemerkenswert ist insbesondere der Umgang mit der Öffentlichkeit. Erstaunlich ruhig bleibt es in Sachen Pressemitteilungen und Berichterstattung zu dem Vorfall. Während es sonst üblich ist, dem Steuerzahler zu erklären, wie übel Profifußball seinem Geldbeutel beikommt, scheint der Einsatz diesmal wohl nicht besonders geeignet, um für Verständnis für die Polizei und Wut auf Fans zu sorgen. Es bleibt dabei: In der Aufarbeitung eigener Missgriffe der Polizei besteht jede Menge Luft nach oben.

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