Abgeschlossene Fälle

Verhandlung vor dem Amtsgericht Leipzig gegen Glubb-Fan

 

Anlässlich der Auseinandersetzungen im Umfeld der Fußball-Begegnung zwischen RB Leipzig und dem 1. FC Nürnberg am 05.04.2015 war ein Glubb-Fan angeklagt, nach dem Spiel im Hauptbahnhof Leipzig kurz hintereinander zusammen mit weiteren Glubb-Fans zweimal jeweils einen der dort eingesetzten Sondereinsatz-Polizeibeamten getreten zu haben.

Die Ausgangslage vor der Hauptverhandlung war nicht besonders gut, da lediglich Polizeizeugen zur Verfügung standen, welche Mitglieder der im Hauptbahnhof Leipzig eingesetzten Sondereinsatzeinheiten der Polizei waren. Die von Seiten der Polizei in das Verfahren eingeführten Videofilme konnten allerdings die beiden konkreten Tatgeschehen nicht zeigen, vermittelten aber ein gewisses Stimmungsbild, welches wohl die angebliche Militanz der Nürnberger Fans verdeutlichen sollte. Da bei einer Verurteilung wegen gefährlicher Körperverletzung, die in 2 Fällen angeklagt war, jeweils eine Mindestfreiheitsstrafe von 6 Monaten vom Gesetz vorgesehen ist, stand für den Glubb-Fan einiges auf dem Spiel.

In der Beweisaufnahme zeigte sich aber dann, dass zum ersten Tatgeschehen gar kein Polizeibeamter gefunden werden konnte, der von den Fußtritten des Fans getroffen wurde. Offensichtlich hatte auch kein Polizeibeamter irgendetwas gespürt, was womöglich auch an den umfangreichen Protektoren in den Einsatzanzügen der Polizeibeamten gelegen haben kann. 

Teures Gastgeschenk: Zaunfahne wandert unbemerkt von der Süd- in die Nordkurve

 

Das DFB-Pokalspiel am 27.10.2015 zwischen dem Glubb und Fortuna Düsseldorf war noch im vollen Gange, als auf Seiten der Nürnberger Anhänger eine Zaunfahne aus Düsseldorf auftauchte. Und nicht nur das: Um die gegnerischen Fans zu provozieren, sei sie zerrissen worden, notierte die Polizei später. Und das, obwohl die Fahne der „Alten Garde Düsseldorf“ noch bis zur Halbzeit auf der anderen Seite des Max-Morlock-Stadions hing, nämlich im Düsseldorfer Block. Wie konnte das geschehen? Tumulte? Gewalt?

Nichts dergleichen! Keiner hatte es bemerkt, wie die Fahne verschwinden konnte. Ein listiger Diebstahl? Auch das nicht. Eher ein teures „Gastgeschenk“. Die Polizei jedenfalls ermittelte, befragte Ordner und Gästefans und sichtete das hochauflösende Videomaterial. So war der knifflige Fall bald gelöst: 600 Euro habe das gute Stück gekostet, behauptete später die "Alte Garde" und stellte Strafantrag. Und nur durch einen dummen Zufall sei die wertvolle Fahne abhanden gekommen. Als es nämlich bereits 4:0 für den Glubb stand, sollte die Zaunfahne eingepackt und reisefertig gemacht werden, so dass ein Ordner angewiesen wurde, sie vom Zaun zu entfernen. Nur, dummerweise kannte der Ordner auf der Tartanbahn die "Alten Gardisten" offenbar nicht richtig und überreichte wundersamerweise das Transparent ausgerechnet einem Nürnberger Fan, so das Ermittlungsergebnis der Nürnberger Polizei. Der Nürnberger sei in den Nachbarblock gelaufen, bis ganz nach vorne und habe von dem Ordner die abgehängte Fahne in Empfang genommen, sodann in die Nordkurve verbracht und anderen Fans übergeben.

Trotz offensichtlicher Unschuld – Nürnberger Staatsanwaltschaft forderte 8 Monate Freiheitsstrafe

 

Wie ein Fall aus der Schweiz, nachzulesen unter http://www.woz.ch/-79ef, verdeutlicht, gibt es anscheinend keine Grenzen mehr, wenn es darum geht, auch nachweislich unschuldige Menschen aus dem Verkehr zu ziehen. Die Staatsanwaltschaft, bisweilen auch als „objektivste Behörde der Welt“ bezeichnet, hat grundsätzlich die Pflicht, nicht nur die zur Belastung, sondern auch die zur Entlastung dienenden Umstände zu ermitteln und für die Erhebung der Beweise Sorge zu tragen und diese sodann zu berücksichtigen bzw. richtig zu werten. Leider sind in der Praxis oftmals Zweifel berechtigt, ob die Staatsanwaltschaft diesen Aufgaben tatsächlich gerecht wird. Insbesondere ist es problematisch, wenn der Sitzungsstaatsanwalt, der seinem Abteilungsleiter berichtspflichtig ist, das Verfahren weisungsgebunden zu bearbeiten hat.

Vor diesem Hintergrund erscheint der nachfolgend geschilderte Fall aus dem Gerichtsbezirk Nürnberg, der zwar außerhalb fußballbezogener Problemfelder angesiedelt ist, durchaus bedenklich, zumal er auch noch aufzeigt, wie teilweise innerhalb der Ermittlungsbehörden mit Entlastungsmaterial umgegangen wird:

Beistand von ganz oben: „Fahndungshilfe“ der Polizei erweist sich als Niete

 

Sogenannte Fahndungshilfen ermuntern offenbar zu besonders engagierter Polizeiarbeit: Nicht nur unser Mitglied Otto Hansig, der wegen seiner Hoffnung, nicht in der ersten Schulbank der Schulklasse sitzen zu müssen, der Polizei als besonders verdächtigt galt (Bei ARD, ZDF und der Polizei stehen Sie in der ersten Reihe – wie leicht es zu Missdeutungen zulasten eines Beschuldigten kommen kann), sondern auch Otto Maier (ebenfalls RSH-Mitglied mit geändertem Namen) geriet ins Fahndungsvisier der Nürnberger Polizei – wegen angeblicher Beteiligung an derselben Straftat wie Otto Hansig.

Dabei setzte die Polizei bei ihrer Ermittlungsarbeit zunächst einmal auf das Wunder der Technik und ließ ein Kamerabild vom Landeskriminalamt aufbereiten mit dem Auftrag: Maximale Erhaltung von Details, Kantenschärfung und Vergrößerung. Heraus kam ein „Foto“ äußerst schlechter Qualität, fortan auch als „Fahndungshilfe“ bezeichnet. Die schlechte Qualität hielt Nürnberger SKBs allerdings nicht davon ab, sich mit diesem Foto ca. vier Monate nach dem angeblichen Tattag während eines Heimspiels auf die Suche nach passenden Personen zu begeben.

Bei ARD, ZDF und der Polizei stehen Sie in der ersten Reihe – wie leicht es zu Missdeutungen zulasten eines Beschuldigten kommen kann

 

Ruppig ging es zu, als RSH-Mitglied Otto Hansig (Name von der RSH geändert) festgenommen wurde. Aus dem Auto herausgezerrt, Festnahme direkt nach einem Heimspiel.

Der Grund hierfür: Man hatte anhand Bildern festgestellt, dass Otto bei einem Spiel, bei dem es zu einer Körperverletzung kam, anwesend war. Wohlgemerkt, die Anwesenheit bei dem Spiel und die dortige Nähe zu einer Gruppe, in der man den oder die Täter vermutete, war der Grund für den Verdacht. Nachdem Otto bis dato nicht gerade als Krawallbruder aufgefallen und den Behörden bzw. insbesondere den SKB daher nicht bekannt war, hatte man eine sogenannte Fahndungshilfe, also ein Bild mit seinem Gesicht, produziert und im Stadion nach ihm gesucht. Dort wurde er auch prompt erkannt und es kam später zu der beschriebenen Festnahme. 

Obwohl es außer der Tatsache, dass man ein Foto mit der Anwesenheit bei besagtem Spiel hatte, nicht allzu viele Verdachtsmomente gegen Otto persönlich gab, wurde im Anschluss direkt seine Wohnung durchsucht und selbstverständlich auch sein Mobiltelefon ausgewertet. Nach Auffassung der Ermittler fand sich dort quasi ein Geständnis. Er hatte nämlich einer weiblichen Person eine Nachricht des Inhalts gesendet, dass er in den letzten Tagen etwas Mist gebaut habe und deshalb nunmehr nicht in die erste Reihe wolle. Kaum falsch interpretierbar: Otto hatte die Körperverletzung begangen und wollte nun am nächsten Spieltag nicht in vorderster Front des Fanblocks stehen, da man ihn dort natürlich leichter entdecken hätte können.